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I got rhythm

By 11. Juli 2026Juli 14th, 2026Aktuelles

I got rhythm

Musik als Brücke zwischen Klang, Gesellschaft und Verantwortung

Musik kann weit mehr sein als Unterhaltung. Sie kann Geschichten erzählen, zum Nachdenken anregen und Menschen miteinander verbinden. Unter diesem Leitgedanken stand das diesjährige Chorkonzert des Schlossgymnasiums Künzelsau, das unter dem Titel I got rhythm ein Programm präsentierte, das musikalische Qualität mit einer klaren gesellschaftlichen Botschaft verband. Dabei entwickelte sich der Konzertabend nicht allein durch die Auswahl der Werke, sondern vor allem durch das Zusammenspiel von Musik, Sprache und szenischen Elementen zu einem stimmigen Gesamterlebnis.

Den Ausgangspunkt bildete die Musik George Gershwins. Seine Kompositionen, die klassische Musik, Jazz und Musical auf einzigartige Weise verbinden, prägten den ersten Teil des Abends und machten deutlich, weshalb sein Schaffen bis heute nichts von seiner Faszination verloren hat. Bereits die Ouvertüre aus Girl Crazy eröffnete den Konzertabend mit rhythmischer Energie und ließ den charakteristischen Gershwin-Sound lebendig werden.

Zu den musikalischen Höhepunkten gehörten die beiden Klavierwerke, die von Schülerinnen eindrucksvoll interpretiert wurden. An Pham überzeugte mit den Three Preludes durch große technische Sicherheit und bemerkenswerte Musikalität. Seine auswendig vorgetragene Interpretation verlieh den jazzinspirierten Miniaturen besondere Leichtigkeit und Ausdruckskraft. Mit der Rhapsody in Blue übernahm anschließend Annalena Stein eines der bekanntesten Werke Gershwins. Die Verbindung aus virtuosen Passagen, lyrischen Momenten und orchestraler Klangfülle machte deutlich, weshalb dieses Werk bis heute als Meilenstein zwischen Klassik und Jazz gilt.

Auch die vokalen Beiträge griffen unterschiedliche Facetten von Gershwins Musik auf. Bekannte Melodien aus Porgy and Bess sowie weitere Chor- und Solostücke zeigten eindrucksvoll die stilistische Vielfalt seines Schaffens. Dabei überzeugten Chor, Solistinnen und Solisten ebenso wie das groß besetzte Orchester, in dem Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ehemaligen Ensemblemitgliedern sowie professionellen Musikerinnen und Musikern musizierten. Gerade dieses generationsübergreifende Zusammenspiel verlieh vielen Werken besondere klangliche Tiefe und bot den jungen Musikerinnen und Musikern zugleich die Möglichkeit, in einem außergewöhnlichen musikalischen Rahmen Erfahrungen zu sammeln.

Nach der Pause verlagerte sich der Schwerpunkt des Konzerts bewusst von der musikalischen Tradition hin zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Im Mittelpunkt standen die beiden Kompositionen Rhythm of Peace und Naturgewalt von Musiklehrer und Komponist Max Hoferer. Stilistisch knüpften beide Werke an die zuvor gehörte Klangwelt Gershwins an und führten den musikalischen Faden konsequent weiter. Inhaltlich öffneten sie jedoch den Blick auf Themen, die weit über den Konzertsaal hinausreichen.

Rhythm of Peace setzt sich mit Frieden, Toleranz und einem respektvollen Miteinander auseinander. Angelehnt an Gedanken aus Martin Luther Kings berühmter Rede I Have a Dream entstand ein Werk für Chor, Solistinnen und Solisten sowie Orchester, das musikalische Ausdruckskraft mit einer klaren Botschaft verbindet. Ergänzt wurde die Komposition durch eigens für den Konzertabend verfasste Dialoge eines Schülers der Klasse 10M sowie Poetry-Slam-Texte, die den musikalischen Gedanken aufgriffen und weiterführten. Dadurch entstand ein fließender Wechsel zwischen Musik und Sprache, der den roten Faden des zweiten Konzertteils sichtbar machte und den inhaltlichen Aussagen zusätzliche Tiefe verlieh.

Auch die sinfonische Dichtung Naturgewalt griff ein hochaktuelles Thema auf. Im Dialog zwischen den Figuren „Mensch“ und „Erdgeist“ wurde die Verantwortung des Menschen für Umwelt und Schöpfung thematisiert. Eindrucksvolle Klangbilder wechselten mit nachdenklichen Passagen und machten hörbar, wie eng musikalische Gestaltung und inhaltliche Aussage miteinander verbunden sein können.

Besonders bemerkenswert war dabei die Präsenz des Kammerchors. Die Sängerinnen und Sänger gestalteten ihre Beiträge mit großer Ausdruckskraft und spürbarer Überzeugung. Diese musikalische Energie übertrug sich auf das Publikum und verlieh den Werken eine besondere Intensität. Unterstützt wurde dies durch die Solistinnen und Solisten, die ihre Aufgaben mit großer Souveränität übernahmen und den Gesamtklang entscheidend bereicherten.

Durch das Programm führte Gesa, deren Moderationen die Hintergründe der einzelnen Werke verständlich erläuterten und die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Programmteilen sinnvoll verbanden. So entstand kein Nebeneinander einzelner Beiträge, sondern ein Konzert, dessen musikalisches und inhaltliches Konzept sich von Beginn bis zum Schluss konsequent entfaltete.