Studienfahrt „Die Westfront“
Spurensuche in Frankreich und Belgien
Zwölftklässler erleben die Geschichte zweier Weltkriege hautnah und erkennen den Wert der deutsch-französischen Freundschaft
Eine besondere Studienfahrt führte Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 an die historischen Schauplätze der Westfront in Frankreich und Belgien. Begleitet wurden sie von den Geschichtslehrern Steffen Deibel und Daniel Mader. Ziel der viertägigen Reise war es, zentrale Orte des Ersten und Zweiten Weltkriegs zu erkunden – und ein tieferes Verständnis für die Bedeutung von Erinnerungskultur und Völkerverständigung zu gewinnen.
Von Künzelsau nach Verdun – Begegnung mit dem Ersten Weltkrieg
Die Fahrt begann mit einer direkten Anreise nach Verdun, einem der symbolträchtigsten Orte des Ersten Weltkriegs. Dort, wo einst eine der verlustreichsten Schlachten der Weltgeschichte tobte, besuchte die Gruppe das Beinhaus, eine ehemalige Bunkeranlage sowie das Museum von Verdun. Der Eindruck war nachhaltig: Die Zahl der Opfer – etwa 800.000 Verwundete und Gefallene – sowie die bedrückende Atmosphäre der Gedenkstätten hinterließen die Schülerinnen und Schüler sprachlos.
Chemin des Dames und Winterberg
Am zweiten Tag standen die Schlachtfelder entlang des Chemin des Dames auf dem Programm. Noch heute zeugen dort Granatsplitter und Munitionsfunde von den Schrecken vergangener Zeiten: Noch heute, 120 Jahre später, werden wöchentlich Artillerie-Funde gesprengt und Gefallene gefunden.
Ein besonderer Höhepunkt war der gemeinsame Arbeitseinsatz mit der Bundeswehr auf dem deutschen Soldatenfriedhof bei Laon, bei dem Grabinschriften instandgesetzt wurden.
Weiter ging es zur sogenannten „Drachenhöhle“ – ein ehemaliges französisches Bergwerk, das zu einem gigantischen unterirdischen Bunker ausgebaut wurde, was das bedrückende Leben unter Tage für die Soldaten zeigte.
Den Abschluss bildete der Besuch des Winterbergs, wo hunderte deutsche Soldaten in einem Stollen eingeschlossen wurden. Der französische Guide François berichtete eindrucksvoll von Grabräubern und davon, dass in Frankreich jedes Jahr rund 60.000 Tonnen Munition geborgen werden.
Winter 1944/45 – Die Ardennenoffensive bei Bastogne
Am dritten Tag rückte der Zweite Weltkrieg in den Fokus: In der belgischen Stadt Bastogne, dem Zentrum der Ardennenoffensive, erkundeten die Schülerinnen und Schüler das „War Museum“ und das ehemalige Schlachtfeld der 101. US-Luftlandedivision, bekannt aus der Serie Band of Brothers.
Zum Abschluss: Champagner, Kultur und Lebensfreude
Am letzten Tag wurde der Blick bewusst geweitet: Eine Führung durch das Champagnerhaus Maison Lanson bot nicht nur spannende Einblicke in die französische Weinkultur, sondern rundete die Fahrt mit einem Stück savoir-vivre ab – als Kontrast zu den schweren Themen der Vortage.
Die Studienfahrt machte deutlich, wie wertvoll der Frieden und wie bedeutend die deutsch-französische Freundschaft sind – und dass Erinnerung ein aktiver Prozess ist. Ein besonderer Dank gilt Eva Masurowski vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die nicht nur bei der Organisation mit ihrer Expertise unterstützte, sondern die Gruppe auch engagiert vor Ort begleitete.