Starke Stimmen für Frieden und Erinnerungskultur
Meret und Tea setzen starke Impulse zum Volkstrauertag
Am Sonntag, den 16.11.2025 nahmen Meret und Tea an der zentralen Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Volkstrauertag teil. Im feierlichen Rahmen des Weißen Saals im Neuen Schloss in Stuttgart präsentierten sie ihre selbstverfassten Poetry-Slam-Texte – ein beeindruckender Beitrag zu einem anspruchsvollen und sensiblen Thema.
Mit viel Feingefühl, persönlicher Reflexion, sprachlicher Kraft aber auch kontroversen Gegenwartsbezügen gelang es ihnen, die Anwesenden zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Ihre Texte setzten sich intensiv mit Erinnerungskultur, Frieden, der aktuellen Politik und Sicherheitslage auseinander und fügten sich damit wunderbar in die Würde und Bedeutung der Veranstaltung ein.
Damit auch die gesamte Schulgemeinschaft einbezogen werden konnte, präsentierten die Schülerinnen ihren Poetry Slam noch einmal in der großen Pause auf dem Schulhof.
“Danach” von Tea
Man denkt, das Leben ist unendlich
Doch vergisst die Endgültigkeit des Todes
Er schlägt mit seinen Flügeln,
Zieht dich hoch, in die Tiefe
Gedenken all den Kindern, in den Tod gesandt
Geschickt, zum Sterben
Mit gereckter Faust, der letzte Moment auf Erden
In einem fremden Land.
Endgültig still
Endgültig schlafend
Endgültig vorbei
Aber gut — diese Zeiten sind vorbei, jetzt herrscht endlich Frieden
Aber gut — es hätte einen Sinn, da wir uns nicht mehr bekriegen
Aber gut — dafür stirbt jetzt niemand mehr im Krieg
Unter Gewaltherrschaften oder gar einem Genozid
Immerhin.
Also naja
Außer man lebt in Gaza und hat dort schon immer gewohnt
Oder im Sudan und wird von der RSF/VAE bedroht
Außer du lebst nicht im Westen – dann kann jeder an dir Waffen testen
Und hast du dann die Flucht geschafft, landest du vielleicht in Abschiebehaft
Alle Jahre wieder
Alle Jahre wieder
Alle Jahre wieder
Alle Jahre wieder treffen wir zusammen
Gedenken den Vergangen-
En, und all den jenen, die mal waren sollten und nicht sein konnten
All den ganzen Söhnen, Töchtern, Brüdern, Schwestern, Vätern, Müttern
– Alles Menschen
Endgültig still
Endgültig schlafend
Endgültig vorbei
Der Tod ist eine lange Zeit, der Tod macht uns zu viel bereit
Und nach dem Tod, da kommt die Trauer, wartet auf uns, liegt auf der Lauer
Der Tod, die Trauer, die Wut, die Macht
Alle haben sie einst gelacht
Doch nun der letzte Sturz auf Erden
Wir übten fleißig für unser Verderben
Denn bald ist tot, was wir mal werden
Der Tod, er kommt gleich nach dem Sterben
Endgültig still
Endgültig schlafend
Endgültig vorbei
Trauern ist universal, tote Menschen gibt’s global
Familien mit einem ewigen Loch
Warten immer auf das, was noch
Kommt und was noch kommen könnte
Verirrt, verdammt, Verlust, verloren
Wird der Sieger auserkoren
Der größte Held, er steht auf Leichen
Leben musste Frieden weichen
Und langsam kehren die Leute wieder,
Tanzen, singen fröhliche Lieder
Auf den Trümmern ihrer Geliebten
Auf den Trümmern der Besiegten
Man sagt mir oft, ich brauch Respekt
ICH hab Respekt, IHR schaut nur weg
Respekt ist kein Kniefall vor Geschichte
Respekt ist das Aufstehen im Angesicht der Repetition
Das hier ist echt, nicht Fiktion
Menschen sterben überall, Kriegstreiberei ist global
Ein echtes Menschheitsproblem.
Und ich soll verstehen
Dass für Frieden auf Erden
Manchmal einfach Menschen sterben?
Nein, nein, ich verstehe nicht
Ich will auch gar nicht verstehen, denn zu verstehen heißt zu akzeptieren
Um dann zu resignieren.
Ich schaue hoch zu jenen, die uns regieren
Und bin dann doch ein wenig resigniert
Denn der, der uns regiert
Und sich mit „Nie wieder“ profiliert
Munter Zitate mit Joseph Goebbels teilt
Und während die Mitte zu den Rechten eilt
Möchte ich Sie erinnern, Herr Merz,
Das letzte Mal Stadtbild bereinigen war vor 80 Jahren
Und ich sage das ganz ohne Scherz, eher mit Schmerz.
So lasst uns uns besinnen
Nie wieder heißt nie wieder, nirgendwo, an niemanden, auch wenn’s ins Muster passt
Und die Vergangenheit langsam verblasst
Nie wieder ist jetzt und Deutschland rückt nach rechts
Und nein, ich verstehe nicht
Aber
Ich glaube… in jedem Dunkeln brennt noch Licht
So lasst uns miteinander stehen
Lasst einander nicht mehr hassen
Lasst die Opfer nicht verblassen
Und lasst den Frieden nicht verwehen
„Wenn Erinnerung verblasst“ von Meret
80 jahre sind eine lange zeit
Ja fast schon eine ewigkeit
80 jahre keine gewalt kein leid
So lange sind wir vom Krieg befreit
80 jahre voller offenheit
Das ist heute unser highlight
80 Jahre verbundenheit
die Spaltung gerät fast in vergessenheit
80 jahre sind eine lange Zeit
Ja fast schon eine ewigkeit
Warum macht sich die Bundeswehr dann wieder bereit
Ist es für Deutschland bald wieder soweit?
Aber lasst uns nicht darüber nachdenken
Uns lieber mit belanglosem palaber ablenken
Die Bevölkerung abhalten nach zu denken
und sie in unnötigen Diskussionen über schnitzel ertränken
Aber das stadtbild ist ja das problem
Nicht die soldaten die menschen die heimat nehm‘
Die Klassenunterschiede die weiter bestehen
Oder die kriege die überall auf der Welt geschehen
In Syrien, der ukraine und Afghanistan
Halten die kriege weiter an
In gaza rollt die nächste welle schmerz heran
Als ob die welt nie frieden finden kann
unsere Vergangenheit klopft an der tür
Alle zeichen sprechen dafür
was dagegen tun können nur wir
Stattdessen steht die welt für Faschismus spalier
man muss sich über die Geschichte informieren
Darf die vergangenen fehler nicht aus dem blick verlieren
Wir sollten eine welt ohne Gewalt anvisieren
und nicht die im moment ignorieren
Geschichte lesen, das kann man leicht,
Doch fühlen, was sie meint, das bleibt unerreicht.
Nur Worte, solange man’s nicht fühlt,
Wo Erde rot vom Blut durchspült.
Hier stehe ich nun in frankreich
Im tatort von diesem Gewaltstreich
Zwischen all den grabsteinen aufgestellt in reih und glied
So wie die menschen unter ihnen damals im krieg
Oh schau da hinten spielt ein kind
Die haare unter dem helm wehen im wind
In der hand hat es eine pistole aus plastik
Und überlegt sich eine angriffstaktik
dort wo früher kinder gestorben sind
Doch das kind ist für die vergangenheit blind
Es selbst weiß nicht was gerade geschieht
Doch es spielt krieg im Kriegsgebiet
Das kind spielt doch nur- unschuldig und klein
Doch kann es spiegel unserer zukunft sein
Und ich frage mich leise und beklommen
Haben wir die Zeichen wirklich wahrgenommen?
Die leute sagen sowas wird nicht nochmal geschehen
Sie würden die Zeichen doch sehen
Sie würden gemeinsam als brandmauer stehn
Aber rumsitzen und nichts tun ist leider bequem
Wenn zeitzeugen sagen so hat es damals auch begonnen
Sollten wir darauf achten ganz und vollkommen
Denn Menschen wird mutwillig das leben genommen
Und die angst hat bereits gewonnen
Wir dürfen nicht vergessen wer wir sind
Uns nicht taub stellen oder blind
Macht die augen auf schaut euch um
Seht ihr die zeichen um euch herum
Die letzten zeitzeugen sterben
Und die geschichten aus der Vergangenheit werden
Genau das: geschichte
Erst Erzählung, dann Märchen, dann zu Nichte
Doch krieg und Gewalt hören nicht auf
Und all das nehmen wir in kauf
Wir lassen dem bösen seinen lauf
So lange wir profitieren scheißen wir drauf
aber das darf nicht passieren
Wir dürfen die geschichte nicht kaschieren
Uns nicht in dem hass der Welt verlieren
Und die gleichen Probleme erneut kreieren
Lasst uns den hass zusammen vertreiben
Dann wird dieses ende immer das Ende bleiben