(Magisches) Theater nicht für jedermann und ganz nah

By 8. Juni 2018Aktuelles

(Magisches) Theater nicht für jedermann und ganz nah

THEATERmobileSPIELE aus Karlsruhe führt „Der Steppenwolf“ am Semi auf

Sehr gute schauspielerische Leistung, interessanter Medieneinsatz und die besondere Herausarbeitung des Spiegelmotivs: insgesamt eine gelungene und lohnenswerte Aufführung. So das Fazit der 12er Deutschkurse, die am 8. Juni in die Aula gekommen warem, um sich das Klassenzimmertheaterstück „Der Steppenwolf“ anzusehen.

Wie in Hesses Roman war der Eintritt nicht für jedermann, auch nicht nur für Verrückte, sondern  ausschließlich für die 12er, die den „Steppenwolf“ bereits gelesen und interpretiert hatten. Das war für das Verständnis des Stücks tatsächlich auch notwendig. Nur so konnte man auch Einzelheiten wahrnehmen und sich erklären, wie etwa die Fellstücke auf der Jacke Harry Hallers, die ihn durchgehend in Verbindung mit seiner wölfischen Natur brachten.

Hesse fasste im August 1925 das Thema des zu diesem Zeitpunkt noch ungeschriebenen Romans folgendermaßen zusammen:

„Es ist die Geschichte eines Menschen, welcher komischerweise darunter leidet, daß er zur Hälfte ein Mensch ist, zur anderen Hälfte ein Wolf ist. Die eine Hälfte will fressen, saufen, morden und dergelichen einfache Dinge, die andere will denken, Mozart hören und so weiter, dadurch entstehen Störungen, und es geht dem Manne nicht gut, bis er entdeckt, daß es zwei Auswege aus seiner Lage gibt, entweder sich aufzuhängen oder aber sich zum Humor zu bekehren.“

Die Semis waren trotz der Hitze konzentriert dabei und konnten im Nachgespräch mit Theaterpädagogin und Schauspieler noch inhaltliche oder technische Fragen klären, wie z.B. ob das Magische Theater bzw. der Tod Hermines der Wirklichkeit entspricht oder aus welchem Grund etwa der Steppenwolfkopf verkabelt war. Hier wurde deutlich, dass jede Bühnenbild-Entscheidung, Requisiten-Auswahl und Kürzung des Textes immer eine Interpretation des Werkes darstellt. Insgesamt bot die einstündige Aufführung die Möglichkeit, sich noch einmal auf andere Art und Weise mit dem Roman auseinanderzusetzen.